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Schub – Social Cooperative Hub

Starthilfe für Soziales Unternehmertum

Das Pionierprojekt SCHUB setzt das Soziale Unternehmertum ins Zentrum. Foto: Simon Tanner

Soziales Wirtschaften wird für Schweizer Start-ups immer wichtiger. Bis jetzt fehlte allerdings ein Angebot, das dies fördert. Hier setzt das Pionierprojekt SCHUB an – mit einem Innovationsprogramm.

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer wollen heutzutage mehr, als nur materiellen Gewinn erwirtschaften. Viele wünschen sich eine Wirtschaft, die der Gesellschaft dient. Ihnen ist neben der finanziellen deshalb auch die soziale und ökologische Rendite wichtig. Um solche Firmen zu unterstützen, lanciert der Verein für Soziales Unternehmertum, SENS, mit Unterstützung von Engagement Migros, das Pionierprojekt SCHUB. 

«Genossenschaften eignen sich gut, um die Anforderungen von Social Entrepreneurship bis ins Rechtsgefäss zu verankern.»

Rahel Pfister

Schub für Social-Entrepreneurship 

SCHUB setzt sich für die Entstehung und Expansion von wirkungsorientierten Unternehmensmodellen ein. Im Zentrum steht dabei das Soziale Unternehmertum und dafür geeignete Rechtsformen wie die Genossenschaft. Spezielle Aufmerksamkeit erhalten bei SCHUB junge Start-ups, die sich als soziales Unternehmen aufstellen möchten. Für diese bietet das Projekt unter anderem ein Mentoring-Programm, eine Social Business Toolbox und branchenübergreifende Vernetzungsmöglichkeiten an.  

Mit SCHUB wolle man junge Firmen inspirieren und ihnen im wahrsten Sinnen des Wortes einen Schub geben, damit das Soziale Unternehmertum sich in der Schweiz etablieren kann. «Je mehr Aufmerksamkeit diese Unternehmen bekommen, desto bekannter wird Social-Entrepreneurship. Und je bekannter Social-Entrepreneurship ist, desto mehr Unternehmen wird es anziehen», sagt Stephanie Frick. 

Wollen Soziales Unternehmertum in der Start-up-Szene verankern: die Projektgründerin Stephanie Frick und Rahel Pfister. Foto: Simon Tanner

Verantwortlich für die Umsetzung von SCHUB sind Rahel Pfister, die Geschäftsführerin sowie Stephanie Frick, Bereichsleiterin Startup & Innovation von CooperativeSuisse. In den vergangenen Monaten habe man dank der Unterstützung von Engagement Migros das Mentoring-Programm erstmals durchgeführt und vier genossenschaftliche Start-ups in ihrer Gründungsphase begleitet. Dabei wurden die Gründer*innen in sogenannten Tandems von Profis aus anderen Genossenschaften und sozialen Unternehmen gecoacht. «In der Schweiz gibt es viele tolle Social Entrepreneure, aber noch keine Metaorganisation, die sie zusammenbringt», sagt Frick. Das wolle man ändern. Die Erkenntnisse aus dem Mentoring-Programm wurden in einer Toolbox zusammengetragen, die später publiziert wird und anderen Startups als Orientierung bei der Gründung eines sozialen Unternehmens helfen soll. Darin enthalten seien unter anderem Musterstatuten, Coaching-Videos und Podcasts zum Thema. «Wirkungsorientierte Geschäftsmodelle sind gefragt. Genossenschaften eignen sich gut, um die Anforderungen des Social Entrepreneurship bis ins Rechtsgefäss zu verankern», sagt Rahel Pfister. Welche Vorteile Soziales Unternehmertum bringt, zeigt auch ein Blick auf die Genossenschaften aus dem Mentoring-Programm.

Das Projektteam arbeitet selbst in einem genossenschaftlichen Bau in der Zürcher Kalkbreite. Foto: Simon Tanner

Mehr Vertrauen durch gemeinsame Verantwortung 

Eines der geförderten Start-Ups ist Vita.Coop. Das Jungunternehmen hat zum Ziel, die Patientenverfügung mithilfe von sogenannten Smart Contracts für Patientinnen, Spitäler und Ärzte online zugänglich zu machen. Dabei werden modernste Kryptotechnologien wie Blockchain verwendet. «Wir wollen Patientendaten so aufbereiten, dass sie schnell und sicher überall zugänglich sind», sagt Gründer und Geschäftsführer Marcos Garcia Pedraza. Wichtig dabei sei, dass man die Patientenverfügung einfach erstellen, verwalten und vernetzen kann und, dass der Datenschutz gewährleistet ist. Dafür hat Vita.Coop ein Online-Tool entwickelt. «Unser Ziel ist zudem, dass man auch im Ausland schnell Zugriff auf die Patientenverfügung hat», sagt Pedraza. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Start-ups in der Gesundheitsbranche hat sich Vita.Coop genossenschaftlich organisiert. «Bei uns sind die Kunden auch gleichzeitig die Besitzer der Firma. Damit haben sie einen viel grösseren Einfluss, was mit ihren Daten passieren soll», sagt er. Somit sei zum Beispiel der Anreiz, die Daten zu missbrauchen, nicht da. «Wir stehen nicht wie andere Kapitalgesellschaften unter dem Druck fremder Geldgeber, die Daten zu monetarisieren.» Ausserdem entstünde durch die Genossenschaft ein spannendes Netzwerk, in dem sich die Mitglieder gegenseitig unterstützen können. 

Die teilnehmenden Projekte verteilen sich auf die ganze Schweiz – und es sollen noch mehr werden. Foto: Simon Tanner

Zusammen Ideen weiterbringen 

Sich ebenfalls für Soziales Unternehmertum entschieden hat die Genossenschaft «Die Cuisine». Das Konzept: «Die Cuisine» ist ein 600 Quadratmeter grosser Event-Ort in Zürich, in dem Seminarräume, eine Werkstatt und eine Eventküche von Firmen gemietet werden können. In der Genossenschaft haben sich gleich mehrere Jungunternehmen zusammengeschlossen. Eines von ihnen ist der Cateringservice «Zum guten Heinrich», der auf nachhaltiges Kochen setzt. «Bei uns verwenden wir auch krumme Rüebli, die so im Laden nicht verkauft werden können», sagt Lukas Bühler, Mitgründer von «Zum guten Heinrich». Auch der Transport zum Kunden sei nachhaltig, in dem das Essen mit E-Cargo-Bikes ausgeliefert wird. Mit der «Die Cuisine» habe man das Konzept noch ausgeweitet. «Auch dort wollen wir auf nachhaltiges Essen setzen», sagt Bühler. 

«Man muss keine fremden Geldgeber überzeugen, sondern bekommt das Geld von jenen, die selber bei der Idee mitmachen.»

Lukas Bühler

Bis jetzt hätten 40 Unternehmen je 5000 Franken in die Genossenschaft eingezahlt. So habe man relativ schnell Startkapital sammeln können. «Das ist definitiv ein Vorteil der Genossenschaft. Man muss keine fremden Geldgeber überzeugen, sondern bekommt das Geld von jenen, die selber bei der Idee mitmachen.» 

Begeistert zeigt sich Bühler auch mit der Förderung von SCHUB. «Sie haben uns unter anderem gezeigt, welche Personen wir für unsere Idee begeistern und wie wir sie ansprechen sollen», sagt Bühler. Spannend sei auch das Netzwerk gewesen, das mit anderen Teilnehmenden entstanden ist. Nun freue man sich, im April «Die Cuisine» eröffnen zu können. «Für uns ist der Klimawandel real. Wir sind motiviert, mit unserem nachhaltigen Konzept konkret etwas Positives beitragen zu können.»

Die beiden Projektgründerinnen werden, zusammen mit ihrem Team, SCHUB in den kommenden Monaten laufend weiterentwickeln. Foto: Simon Tanner

Zeichen der Zeit erkennen

Dass sich in Zukunft immer mehr Jungunternehmen Gedanken darüber machen, welchen positiven gesellschaftlichen Impact sie  haben wollen, glaubt auch Linda Sulzer, Projektbetreuerin von Engagement Migros. «Wer heute ein Start-up gründet und dabei nicht auch gesellschaftliche Aspekte berücksichtigt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt», sagt Sulzer. SCHUB möchte junge Unternehmen gleich bei der Gründung für solche Aspekte sensibilisieren. Im Moment würde gerade eine Evaluation durchgeführt, um zu lernen, wie das Angebot von SCHUB konkret weiterentwickelt werden kann. «Wir hoffen, dass noch viele weitere junge Visionäre für das Soziale Unternehmertum begeistert werden können», sagt Sulzer.