Direkt zum Inhalt

Food for thought - Workshop

Eine gesunde und nachhaltige Ernährung für alle ist möglich - aber wie? Dieser Frage widmeten sich auf Einladung von Engagement Migros rund 30 Experten aus Industrie, Landwirtschaft, Bildung und öffentlicher Hand. Ziel des offenen Austauschs war es, Ideen und Lösungsansätze zu diskutieren und Synergien auszuloten. Der Workshop fand am 11. Juli 2019 im Rahmen des Themenschwerpunkts “Ernährung & Produktion” statt.

Gemäss einer Studie der EAT Lancet Kommission ist die nachhaltige und gesunde Ernährung einer wachsenden Bevölkerung auf 10 Milliarden bis 2050 möglich. Sie erfordert jedoch substanzielle Veränderungen in unserem Speiseplan. Die Menschen in der Schweiz ernähren sich insgesamt weder ausreichend gesund noch nachhaltig. “Ein erschreckend hoher Anteil der Schweizer Bevölkerung ist übergewichtig.”, so Verena Bongartz, Gründerin von ErnährungsGespräche. Zudem wird die Frage nach der Nachhaltigkeit von Produktion im Zuge des Klimawandels immer dringlicher. "Mit unserer gegenwärtigen Art und Weise sich zu ernähren, können die Klimaziele nicht erreicht werden. Zu überdenken, wie eine nachhaltige Produktion aussehen könnte, ist inzwischen unabdinglich.", mahnt Manuel Klarmann, CEO und Gründer von Eaternity. Die notwendigen Veränderungen stellen alle Akteure im Ernährungssystem - vom Produzenten über Handel bis hin zum Konsumenten - vor grosse Herausforderungen. 

Herausforderung Alltag

Obwohl das Wissen über eine gesunde und nachhaltige Ernährungsweise wissenschaftlich gesichert und zugänglich ist, herrscht auf Seiten des Verbrauchers nach wie vor Unsicherheit und Überforderung. Entsprechend hapert es an der Umsetzung im Alltag - und es lassen sich gar gegenläufige Trends erkennen: So steigt weiterhin die Nachfrage nach To-Go-Angeboten, obwohl diese noch immer in der Regel wenig nachhaltig oder gesund sind. 

Da der Umgang mit und der Konsum von Nahrungsmitteln kulturell tief verwurzelt ist, findet die Veränderung von Ernährungsgewohnheiten im Alltag nur langsam statt. Darüber hinaus wird sie von den Lebensumständen, dem Wissen und Können Einzelner sowie dem Angebot von Lebensmitteln am Wohn- und Arbeitsort  beeinflusst. "Auch wenn in der Familie die Eltern in der primären Verantwortung und Pflicht stehen, sind sie auf Unterstützung des Umfelds angewiesen: Nur durch das Einbeziehen von Bildungsorganisationen, Sozialunternehmen, dem Arbeitsplatz, Produzenten und Einzelhandel können nachhaltige Ernährungsentscheidungen zur Norm werden.", erklärt Peter Braun, CEO Swiss Food Research.

Ernährungsgewohnheiten als Teil des gesellschaftlichen Wandels begreifen

Wenn es gelingt, Ernährung als Teil des gesellschaftlichen Wandels zu begreifen, können frühzeitig Weichen gestellt werden: In der Schweiz ergeben sich solche Chancen gegenwärtig für Bildungsinstitutionen aus dem Lehrplan 21 sowie der Umstellung auf Tagesschulen. Neue Lehrmaterialien schliessen Lücken in der Informations- und Wissensvermittlung. Schulküchen und -gärten können über neue Verpflegungskonzepte verstärkt Handlungskompetenzen im Bereich Ernährung ausbilden, die sich langfristig auch auf andere Gesellschaftsbereiche ausweiten. Dass Bildungsinstitutionen neue Konzepte erproben können, zeigt auch ein Experiment der ZHAW, die im letzten Jahr die Bezeichnung “Veggie Menü” abgeschafft hat. Das Resultat: der Konsum von Gemüsegerichten ist deutlich angestiegen. Das Experiment zeigt, dass positive Kommunikation und Re-Framing ein wichtiger Baustein in der Annahme veränderter Ernährungskonzepte ist. Das gilt übrigens auch für die Ausbildung von zukünftigen Köchen und Köchinnen - hier kann frühzeitig für eine ebenso gesunde wie 

 

umweltfreundliche Küche sensibilisiert werden. 

Auch das Thema Ernährung am Arbeitsplatz ist ein wichtiger Faktor, um langfristige Veränderungen anzugehen. Der zunehmende Kostendruck bedingt ein oft ungenügendes Angebot an gesundem, nachhaltigen Essen in Kantinen. Um hier etwas zu verändern, ist es wichtig, dass Arbeitgeber sich ihrer Verantwortung bewusst werden und das Thema als integralen Bestandteil der Unternehmenskultur verstehen. 

Weiterhin stellt uns der anhaltende Wandel der Arbeitswelt vor neue Herausforderungen. So förderten ein immer grösser werdender Zeitdruck und gesteigerte Mobilitätsanforderungen die Nachfrage nach To-Go-Angeboten bzw. flexible Arbeitsmodelle ungesunde Essgewohnheiten, weiss Patrick Honauer von Bachser-Märt - foodnetworks.ch. Hier gilt es, neue Konzepte und Strukturen wie beispielsweise “Co-Eating” in Ergänzung zu Co-Working zu entwickeln. 

Allianzen stärken, Synergien nutzen

Viele der diskutierten Lösungen waren auf Bildungs-, Beratungs- oder Angebotsseite ausgerichtet. Daneben waren sich die Workshop-Teilnehmer einig, dass das Thema aber vor allem als Ganzes vorangetrieben und übergeordnete, integrative Lösungen gefunden werden müssen. Ein Beispiel, wie das funktionieren kann, ist das House of Food in Kopenhagen, das bereits heute die Versorgung des öffentlichen Raums mit einer zu 60% biologisch dynamischen Küche sicherstellt. “Es gibt eine Vielzahl an vielversprechenden Ideen und Lösungsansätze. Diese gilt es zu unterstützen - für sich gesehen, aber auch durch die Bildung von Allianzen.”, sind Johanna Muther und Leila Hauri von Engagement Migros überzeugt. “Nur so können Synergien genutzt und eine grösstmögliche Wirkung erreicht werden.”

Der Workshop hat Ideen, Ansätze und Wege aufgezeigt, die die Voraussetzungen für eine gesündere und nachhaltigere Ernährung in der Schweiz schaffen könnten. Könnten ‒ denn nun braucht es Pioniere, die die ersten Schritte in diese Richtung wagen. 

Die ausführliche Dokumentation zu dem Workshop finden hier

Wir haben Sie inspiriert? Wir freuen uns über Ihr Input zum Thema: engagement-migros@mgb.ch

 

Weitere Impulse

Kreislaufwirtschaft ist mehr als Recycling: Das ganzheitlich ausgerichtete Konzept optimiert nicht nur einzelne Komponenten, sondern die Gesamtheit eines Prozesses oder Systems. Das hat positive Effekte auf die Wirtschaftlichkeit, vor allem aber auf Umwelt und Gesellschaft. Grund genug für Engagement Migros dem Thema eine Impulsveranstaltung zu widmen - und einen eigenen Förderschwerpunkt.

Die Digitalisierung bestimmt unsere Zukunft und schafft neue Möglichkeiten. Doch wenn Algorithmen unsere Sichtweite einschränken und digitale Echokammern zu Filter Bubbles schrumpfen, werden Orte der offenen Verhandlung wichtiger denn je. Museen mit ihrem materiellen und ideellen Fundus haben dieses Potenzial. 

Noch nie war die Welt so vernetzt wie heute und noch nie war Kollaboration relevanter. Erfolg entsteht in der digitalen Welt durch globalen Austausch, durch partnerschaftliche Initiativen und Open Innovation. Nur mit vereinten Kräften können die Herausforderungen des digitalen Zeitalters erfolgreich angegangen und dessen Chancen genutzt werden.

Nutzen statt besitzen, teilen statt kaufen, ent- statt beschleunigen: Gemeinsam mit Projektpartnern gab Engagement Migros Einblicke in den Themenschwerpunkt Mobilität und stellte Pionierprojekte und Interventionsfelder für eine nachhaltige Mobilitätszukunft zur Debatte. Am 20. Juni lud der Förderfonds Engagement Migros zur zweiten Durchführung im Impact Hub Zürich ein. Im Rampenlicht stand dieses Mal der Themenschwerpunkt Mobilität.

Unter dem Titel «Hereinspaziert! Neue Perspektiven im Umgang mit Sammlungen» stellten wir die Vorbereitungen zum geplanten Studienzentrum des Landesmuseums Zürich, die Initiative MuseoMix Schweiz sowie das Startup Museum Hack aus New York vor.