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Service très public: Im #staatslabor wird an der Verwaltung der Zukunft getüftelt

Workshop „staatslabor walk-in: Einführung in die agile Methodik“. Foto: John Patrick Walder.
Workshop „staatslabor walk-in: Einführung in die agile Methodik“. Foto: John Patrick Walder.

Die Schweiz sonnt sich gern im Licht internationaler Rankings, die ihr die weltweit grösste Innovationsbereitschaft bescheinigen. Weil die Verwaltung hierzulande gut funktioniert, gebe es im öffentlichen Sektor allerdings weniger Handlungsbedarf und deshalb auch weniger Innovationsbereitschaft als in anderen Ländern, meint Alenka Bonnard, eine der Initiantinnen des staatslabors. Was tun? Ein Labor gründen, in dem Dinge ausprobiert werden können, eine Plattform, um sich auszutauschen über neue Ideen, wie der Staatsapparat im 21. Jahrhundert funktionieren könnte.

Blockchain und Verwaltung?
Zum Beispiel über die Blockchain. Während die Öffentlichkeit mit dem Begriff noch nicht allzu viel anfangen kann – und wenn, dann höchstens im Zusammenhang mit den ominösen Bitcoins, mit einer Währung für das digitale Zeitalter also –, dämmert es wachen Köpfen seit einiger Zeit, dass die Technologie viel mehr kann als bloss Bankgeschäfte revolutionieren. 

Ein Konzept, das Transaktionen transparent und vertrauenswürdig macht, und zwar ohne Mittelsmänner (oder -frauen)? Das ruft nach weiteren Anwendungsfeldern. Ist nicht jeder Vertragsabschluss, jede Übereinkunft eine Art Transaktion, auch wenn es dabei nicht unbedingt um den Transfer von Vermögenswerten geht? Und geht nicht auch der Bürger eine ganze Menge „Tauschgeschäfte“ mit dem Staat ein? Alle diese Geschäfte könnten via Blockchain radikal anders abgewickelt werden: direkter, schneller, unbürokratischer – und dabei kein bisschen weniger verlässlich.

staatslabor à table: Blockchain und Verwaltung
Veranstaltung staatslabor à table: Blockchain und Verwaltung. Foto: Alenka Bonnard.

Das wurde an einem Round Table im Zürcher Zentrum Karl der Grosse bald klar, zu dem das staatslabor unlängst diverse Vordenker in Sachen Blockchain und Behördenvertreter geladen hatte. Ein paar Inputreferate, gutes Essen und Wein, und schon liefen die Diskussionen ziemlich heiss. Das Grundbuchamt? Brauchen wir womöglich bald nicht mehr. Abstimmen? Könnte man auch ganz einfach via Blockchain. Man merkte rasch, das Potenzial ist noch kaum zu überschauen. 

Mögliche Aktivitätsfelder abstecken

Konkret zu fassen war da noch nicht viel, zumal für die Fachleute aus der Verwaltung, aber darum ging es auch nicht. Das staatslabor interessiert sich für solches Potenzial für Innovation und Kollaboration, das noch nicht ausgeschöpft, noch nicht einmal so richtig erkundet ist. Hier sieht es seine Aufgabe, ein Ort des Austauschs zu sein. In einer ersten Phase steckt das staatslabor zunächst einmal mögliche Aktivitätsfelder ab, mit offenen Ohren nach allen Seiten. Es wird also gewissermassen noch Grundlagenforschung betrieben in dem Labor – aber die Anwendung ist immer auch schon im Blick. Anschliessend sollen vielversprechende Ideen mit den passenden Partnern sehr viel konkreter ausgearbeitet werden.

Ein erstes handfestes Resultat steht bereits an: Ausgehend von einem Workshop im Impact Hub in Bern rund um agiles Projektmanagement hat sich eine konkrete Zusammenarbeit mit einem Bundesamt entwickelt – die Personalverantwortlichen beim Bund haben grosses Interesse, diesbezüglich von der innovativeren Privatwirtschaft zu lernen, und da kann das staatslabor wertvolle Inputs liefern. Denn die Konkurrenz um die besten Köpfe ist gross: „Wir wollen mithelfen, dass auch die Verwaltung gute Karten hat im Personalpoker“, sagt Bonnard. Es sei störend, wenn gute Leute in die Privatwirtschaft wechselten, weil ihnen die Strukturen beim Bund zu unflexibel sind. Aus einem lockeren Treffen über Mittag ist so innert Wochen eine engere Zusammenarbeit geworden. 

„Engagement Migros schickt Ideen auf den Weg, die sonst nicht zur Umsetzung kämen.“

Die dem staatslabor eigene Art der kollaborativen Innovationssuche mache es zu einem Vorzeigeprojekt von Engagement Migros, meint Stefan Schöbi, Leiter des Förderfonds. Dass die Macher mit dem Projekt im öffentlichen Sektor etwas bewirken möchten, gefällt ihm besonders. Schliesslich habe „die Schweiz da vor 150 Jahren mal Standards gesetzt“. So sieht er einen perfekten „Anknüpfungspunkt“ für junge Initiativen, die diese Agilität in Sachen Politbetrieb und Administration wiederaufleben lassen möchten. Auch die Art, wie das staatslabor initiiert wurde, sei schon fast „klassisch“ für die Arbeit von Engagement Migros. Im Projektscouting sei man auf die Macherinnen und Macher aufmerksam geworden, dann wurde das Projekt gemeinsam ausgearbeitet. „Auf diese Weise kann Engagement Migros Ideen auf den Weg schicken und auch noch weiter begleiten, die sonst nicht zur Umsetzung kämen“, so Stefan Schöbi.

Alenka Bonnard, Mitinitiantin des staatslabor. Foto: John Patrick Walder.

Und so funktioniert in gewisser Weise auch das staatslabor. Es hat die Zukunft im Blick und ist im Jetzt fest vernetzt und verankert. Es weiss, welche Möglichkeiten der digitale Wandel bietet. Es will zum Beispiel herausfinden, was die Schwarmintelligenz hier bewirken könnte. Und es will untersuchen, wie man den öffentlichen Sektor stärker auf den „User“ ausrichten kann. Denn im 21. Jahrhundert hat man sich auch in der Verwaltung angewöhnt, vom „Kunden“ zu sprechen. So nimmt das staatslabor innovative Methoden und Technologien aus der Privatwirtschaft auf und entwickelt sie weiter, um auch in der Verwaltung einen Mehrwert zu schaffen.

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