Direkt zum Inhalt

SINGA Factory: Unternehmertum als Neustart

SINGA Factory unterstützt Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund beim Aufbau eines Tech-Startups. Foto: John Patrick Walder
SINGA Factory unterstützt Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund beim Aufbau eines Tech-Startups. Foto: John Patrick Walder

SINGA Factory unterstützt in die Schweiz geflüchtete Menschen bei der Umsetzung unternehmerischer Ideen im Tech-Bereich. Das Interesse am Projekt ist schon vor dem Start sehr gross.

Pionierprojekte lassen sich selten in einem Satz erklären. Bei SINGA Factory geht das: Ein sechsmonatiges Startup-Programm für Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund, die ein Unternehmen im Tech-Bereich aufbauen möchten. «Die Idee kommt an, denn sie verbindet gleich mehrere hochaktuelle Themen», sagt Co-Gründerin Seraina Soldner. «Migration, Technologie, Startup – diese Kombination schlägt bei ganz unterschiedlichen Interessengruppen an.»
 

Begegnung auf Augenhöhe

Ein klares Credo des Projekts ist es etwa, dass es nicht darum geht, Geflüchteten zu helfen, sondern einander auf Augenhöhe zu begegnen. «Die Teilnehmenden profitieren von Workshops und individuellen Coachings und haben die Möglichkeit, ihre Ideen bei potenziellen Investoren und Kunden zu testen», sagt Soldner. «Gleichzeitig kann der Wirtschaftsstandort Schweiz das unternehmerische Potenzial dieser Menschen nutzen und erhält so neue Impulse.»

Das Startup-Programm stösst auf grosses Interesse: Co-Gründerin Seraina Soldner an einer Infoveranstaltung. Foto: John Patrick Walder

Das Startup-Programm stösst auf grosses Interesse: Co-Gründerin Seraina Soldner an einer Infoveranstaltung. Foto: John Patrick Walder

Breit abgestützt

Entsprechend gross ist das Interesse aus der Privatwirtschaft, aber auch seitens öffentlicher Einrichtungen und gemeinnütziger Organisationen sowie von Privatpersonen, sich als Partner und Unterstützer des Projekts zu engagieren. Unter anderem sind Mitarbeitende von Google, PWC oder AXA als pro bono Coaches und Mentoren für SINGA Switzerland tätig. Die Anwaltskanzleien Aquilaw und Wenger & Vieli bieten unentgeltlich Workshops und Rechtsberatung an. Mit NGOs im Migrationsbereich steht SINGA in regem Austausch, so haben etwa die Powercoders, eine Programmierschule für Geflüchtete, die SINGA-Website gemacht. 

«Je mehr Menschen mit unterschiedlichen Stärken zusammenkommen, desto kraftvoller lässt sich die Idee umsetzen.»

«Diese Resonanz haben wir uns erhofft», sagt Samira Lütscher vom Förderfonds Engagement Migros, der das Startup-Programm ermöglicht. «SINGA Factory ist ein Projekt, das von der kollaborativen Innovation lebt. Je mehr Menschen mit unterschiedlichen Stärken und Interessen zusammenkommen, desto kraftvoller lässt sich die Idee umsetzen.» Dies haben die Gründerinnen Seraina Soldner und Mirjam Walser erkannt und knüpfen geschickt Kontakte zwischen Geflüchteten, Social Entrepreneurs, Wissenschaft, NGOs und Grossunternehmen.

In regem Austausch: Co-Gründerin Mirjam Walser bringt Menschen mit unterschiedlichen Backgrounds zusammen. Foto: John Patrick Walder

In regem Austausch: Co-Gründerin Mirjam Walser bringt Menschen mit unterschiedlichen Backgrounds zusammen. Foto: John Patrick Walder

Klare Linie

Die Vorschusslorbeeren bergen aber auch Risiken. Wo Techies, Finanzdienstleister, Bildungseinrichtungen und NGOs zusammenarbeiten, entsteht zwangsläufig ein Spannungsfeld von unterschiedlichen Ansprüchen und Erwartungen an das Projekt. «Diese Gefahr besteht», ist sich auch Soldner bewusst, «umso wichtiger ist es, dass wir in der Projektleitung mit einer klaren Philosophie vorangehen. Wir nehmen uns viel Zeit für Gespräche mit potenziellen Partnern, um Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen.»


Knacknuss Tech-Fokus

Die Rekrutierung der Teilnehmenden läuft noch bis Ende Juli, bis zu 20 Personen sollen ins Programm aufgenommen werden. Als Schwierigkeit habe sich die Eingrenzung auf den Technologiebereich entpuppt. «Das unternehmerische Potenzial der Bewerberinnen und Bewerber ist unbestritten da», sagt Seraina Soldner. «Es gibt Projektideen für Apps, Webshops und IT-Management-Tools. Es gibt aber auch viele spannende Ideen ohne Technologie-Bezug.» Trotzdem halte man am Tech-Fokus fest, nicht zuletzt aufgrund der tiefen Investitionskosten und niederschwelligen Herangehensweise in diesem Bereich. Immer mit dem Ziel, schon im kommenden Jahr die ersten «SINGApreneurs» in die unternehmerische Unabhängigkeit zu entlassen. Man darf gespannt sein.