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Eine Lanze brechen für carvelo2go

John Botzen, «Lastenvelo-Delegierter» des Restaurants Libelle, Luzern.
John Botzen, «Lastenvelo-Delegierter» des Restaurants Libelle, Luzern.

Lastenträger, Spätschicht-Retter, Hundetaxi: Das elektrische Cargobike ist aus dem Luzerner Restaurant Libelle nicht mehr wegzudenken. Den Erfolg verdankt es auch dem äusserst engagierten «Lastenvelo-Delegierten» des Lokals, John Botzen.

Das ruhige Maihofquartier im Norden der Stadt Luzern ist bei jungen Familien beliebt. Das dominierende Verkehrsmittel in dieser Gegend ist das Velo, vom rostigen Retro-Treter bis zum topmodernen E-Bike mit Kinderanhänger ist auf den Strassen alles zu sehen.

Auch ein Carvelo steht im Quartier. Es ist vor dem Restaurant Libelle parkiert, direkt an der Hauptstrasse, und es zieht die Blicke der jungen Familienväter und -mütter auf sich. «Die Familien aus dem Quartier interessieren sich sehr für dieses spezielle Fahrzeug», sagt John Botzen, der für den Service in der Libelle verantwortlich ist, gleichzeitig aber auch als «Lastenvelo-Delegierter» des Lokals zeichnet, wie er lachend erklärt. «In den Ferien kommen viele Familien vorbei, um das Velo für einen Ausflug auszuleihen. Die meisten sind begeistert, obschon es beim ersten Mal etwas Übung braucht, bis man die eigenwillige Steuerung im Griff hat.»
 

Einer von 140 Standorten

Dass das Fahrzeug überhaupt hier steht, liegt an carvelo2go, einer Sharing-Plattform für elektrische Lastenräder der Mobilitätsakademie des TCS und des Förderfonds Engagement Migros. Das Angebot in 21 Schweizer Städten und Gemeinden funktioniert dank «Hosts», die sich als Standort für die Lastenräder anbieten: Zum Beispiel Quartierläden, Cafés, Apotheken oder Poststellen. Das Lastenvelo kann via der gleichnamigen App gemietet und der Schlüssel beim Host abgeholt werden. Dieser sorgt auch dafür, dass der Akku geladen und ausreichend Luft in den Reifen ist. Bereits können an 140 Standorten in der Schweiz 153 Cargobikes gemietet werden.

Begehrtes Vehikel: Das Carvelo beim Restaurant Libelle Luzern kommt bei Host, Mietern und Transportierten gut an. Foto: John Patrick Walder.

Begehrtes Vehikel: Das Carvelo beim Restaurant Libelle Luzern kommt bei Host, Mietern und Transportierten gut an. Foto: John Patrick Walder.

Die Carvelos sind aber nicht nur bei den Mieterinnen und Mietern beliebt. Ist das Lastenvelo nicht gebucht, kann es vom Host für eigene Zwecke verwendet werden. «Wir machen Caterings in der Stadt, dafür haben wir früher das Auto benutzt, heute können wir mit dem Lastenvelo ausliefern», sagt John Botzen. «Auch für schnelle Botengänge ins Stadtzentrum nehmen wir das Carvelo, und zudem ist es bei den Mitarbeitenden beliebt, um mehr von der Zimmerstunde zu haben oder abends noch nach Hause zu kommen, wenn es mal etwas später geworden ist.» Er selbst sei mit Abstand am meisten mit dem Lastenvelo unterwegs. Oft in Begleitung seines Hundes, der die rasante Fahrt ebenfalls geniesse.


Doppelter Impact

Wenn Mieter wie auch Hosts aufs Lastenrad umsteigen und Fahrten ersetzen, die sie früher mit dem Auto gemacht haben, zeigt das Angebot in mehrfacher Hinsicht Wirkung. «carvelo2go hat diesen Hebel clever ins Angebot eingebaut,» sagt Alexandra Müller-Crepon von Engagement Migros anerkennend, «die Zahl der aktiven Lastenradnutzer wird so vervielfacht.»  Und carvelo2go leistet nicht nur einen Beitrag zur Reduktion des Autoverkehrs, seine Nutzer tun auch etwas für ihre Gesundheit, wenn sie aktiv in die Pedale treten.

Überzeugender Host: John Botzen teilt seine Begeisterung fürs Carvelo. Foto: John Patrick Walder.
Überzeugender Host: John Botzen teilt seine Begeisterung fürs Carvelo. Foto: John Patrick Walder.

Überzeugender Host

John Botzen von der Libelle ist überzeugt, dass es die persönliche Initiative der Hosts braucht, um das Angebot noch bekannter und erfolgreicher zu machen. «Wenn ich jemanden sehe, der auf dem Trottoir stehen bleibt, um sich das Cargobike anzuschauen, dann schnappe ich mir sofort einen Flyer und suche das Gespräch. Wenn die Leute dann erfahren, dass es nur wenige Franken kostet, das Lastenvelo zu benutzen, zeigen sie sich oft sehr interessiert.» 

Nur einmal wäre Botzen die Begeisterung fürs Carvelo fast zum Verhängnis geworden: Als er einen Sonnenschirm zum Flohmarktstand seiner Frau transportierte, schoss er versehentlich das Rücklicht eines Trolleybusses der Verkehrsbetriebe Luzern ab. «Ich hatte den Schirm längs eingeklemmt, wie ein mittelalterlicher Reiter mit Lanze», lacht der 58-Jährige. «Zum Glück war der Chauffeur sehr nett und verständnisvoll.»

«Das Carvelo bringt die Menschen zusammen.»

Das Beispiel der Libelle zeigt: Ein Carvelo wirkt in vielerlei Hinsicht positiv auf den Host und die Nutzer: Es verbessert die Mobilität und reduziert die Umweltbelastung im Quartier, es macht fit und flexibel. «Und es bringt die Menschen zusammen», ergänzt John Botzen. Sagts, und pedalt mit seinem Hund in den Feierabend.